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 Motiv: ©dusanpetkovic1  - stock.adobe.com

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Kennzahl: 17.14655
30.04.2020

Corona-Krise erreicht den Arbeitsmarkt

Rasanter Anstieg von Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit


Die Auswirkungen der Corona-Krise sind auf dem Arbeitsmarkt angekommen. Im April ist die Arbeitslosigkeit rasant gestiegen. Verglichen mit März wuchs die Zahl der Arbeitslosen an der Saar um 10,5 Prozent auf jetzt 38.000 (+3.618). Im Bund betrug der Anstieg sogar 13,2 Prozent. Die Arbeitslosenquote kletterte im Saarland von 6,4 auf 7,1 Prozent, im April 2019 betrug sie noch 6,0 Prozent. Im Bund stieg die Quote von 5,1 auf 5,8 Prozent (April 2019: 4,9 Prozent).

Deutlich in die Höhe geschnellt sind auch die Anzeigen zur Kurzarbeit. Waren im März bei der Arbeitsagentur bereits 2.608 Anzeigen für 46.466 Beschäftigte eingegangen, sind im April nochmals 7.507 Anzeigen für 86.436 Beschäftigte hinzugekommen. In den zwei Monaten seit Ausbruch der Corona-Krise haben damit bereits mehr als 10.000 Betriebe für fast 133.000 Beschäftigte Kurzarbeit angezeigt. Wie viel davon tatsächlich realisiert wird, hängt u.a. davon ab, wie gut den Unternehmen das Wiederanlaufen ihrer Geschäftstätigkeit gelingt, nachdem die Einschränkungen des Shutdowns gelockert werden.

Dessen ungeachtet überlagern die Corona-Auswirkungen die ohnehin schwache Konjunktur und die strukturellen Probleme in Teilen der Saarindustrie, so dass der Druck auf den Saar-Arbeitsmarkt auch ohne die Corona-Krise bestehen bleibt. Verglichen mit April 2019 wuchs die Zahl der Arbeitslosen an der Saar um 19,7 Prozent. Im Bund betrug der Anstieg 18,6 Prozent. Im aktuellen Ländervergleich haben das Saarland und Hamburg die Plätze getauscht, so dass jetzt sechs Bundesländer eine höhere Arbeitslosenquote als das Saarland aufweisen. Spitzenreiter bleibt Bayern mit einer Quote von 3,6 Prozent und Schlusslicht ist unverändert Bremen, aktuell mit einer Quote von elf Prozent.

Die Corona-Auswirkungen zeigen sich auch in den einzelnen Teilsegmenten des Arbeitsmarktes. So stieg die Arbeitslosenquote der unter 25-Jährigen im Saarland von 5,4 auf 6,2 Prozent. Deutschlandweit von 4,5 auf 5,4 Prozent. Ähnlich das Bild bei der Arbeitslosigkeit älterer Menschen. Die Quote der 55 bis unter 65-Jährigen stieg hierzulande von sechs auf jetzt 6,4 Prozent, im Bund von 5,6 auf sechs Prozent. Ebenfalls gleichgerichtet verlief die Entwicklung der Ausländerarbeitslosigkeit. Die Quote arbeitsloser Ausländer stieg an der Saar von 19,6 auf 21,7 Prozent und im Bund von 12,8 auf 14,7 Prozent. Am Gesamtbild ändert sich aber trotz Corona nichts: In allen drei Teilsegmenten des Arbeitsmarktes hinkt das Saarland dem Bund mehr oder weniger deutlich hinterher.

Die Beschäftigung ist im Februar (neuere Zahlen liegen noch nicht vor) an der Saar gegenüber Januar gesunken. Bundesweit stieg sie hingegen minimal an. Zwar bleibt die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten hierzulande mit 392.000 Personen weiterhin auf einem hohen Niveau, dennoch war bereits vor der Corona-Krise eine Trendwende in der Beschäftigungsentwicklung unverkennbar. Seit Mitte letzten Jahres ist eine deutliche Abschwächung beim Beschäftigungsaufbau feststellbar. Und wie bei der Arbeitslosigkeit ist das Saarland davon erneut stärker betroffen als der Bund insgesamt. Mit einem Beschäftigungszuwachs von nur noch 0,2 Prozent gegenüber Februar 2019 liegt das Saarland zusammen mit Sachsen-Anhalt auf dem vorletzten Platz im Vergleich der Bundesländer. Schlechter verlief die Entwicklung nur noch in Thüringen. Im Bund insgesamt steht dagegen immer noch ein Plus von 1,2 Prozent zu Buche. Die Bremsspuren der wirtschaftlichen Entwicklung an der Saar sind bei der Beschäftigung also auch Corona bereits deutlich erkennbar.

„Die Corona-Krise hat den Arbeitsmarkt erreicht. Die Arbeitslosigkeit und die Kurzarbeit sind infolge des weitgehenden Shutdowns in vielen Wirtschaftsbereichen spürbar gestiegen. Auch in den kommenden Monaten wird der Arbeitsmarkt in sehr schwierigem Fahrwasser sein. Denn selbst wenn die Wirtschaft nach den vorsichtigen Lockerungen der Beschränkungen nun langsam wieder anläuft, werden viele Betriebe auf die nach wie vor schwierige Lage mit weiteren Personalanpassungen reagieren. Für das laufende Jahr gehen wir daher von einem Anstieg der Arbeitslosigkeit auf bis zu neun Prozent und einem Rückgang der Beschäftigung um bis zu 7.500 Arbeitsplätze aus.“ So kommentierte IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Heino Klingen die heute (30. April) von der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit vorgelegten Arbeitsmarktzahlen.

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